8.5.2008 dringende Mitteilung zu den Konzerten von HUZULIK >>>
6.5.2008: Die Website des Trägervereins Parasolka ist aufgeschaltet: www.parasolka.ch
Ziel des NeSTU-Projektes Parasolka (deutsch Regenschirm) ist die Schaffung eines Wohnheims für rund 25 Jugendliche mit leichter Behinderung aus dem Waisenhaus Vilshany in Transkarpatien.Sie sollen dort als Alternative zu einem Leben in der Psychiatrie in einer betreuten Wohngemeinschaft individuell gefördert werden und möglichst eigenständig leben.
Die BewohnerInnen sollen fähig sein, sich in die Gemeinschaft einzufügen und mit ihrer Arbeit selber einen angemessenen Beitrag daran zu leisten.
Beschäftigungsmöglichkeiten sind im Haushalt, bei der Pflege des Gemüsegartens und der Aufzucht von Kleintieren vorgesehen. Damit soll ein möglichst grosser Beitrag an die Selbstversorgung geleistet werden. |
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Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten sind bei der Herstellung von Lebensmitteln (z.B. Würsten) oder in einem traditionellen Handwerk (z.B. Korbflechten, Weben) vorgesehen.
Aktuell: Wie vor zwei Jahren kommt eine Gruppe Jugendlicher aus dem Waisenhaus Vilshany ab dem 9. Mai für zwei Wochen in die Schweiz und wird an mehreren Orten Konzerte geben. Die Auftritte>>> (pdf 250kb)
Parasolka ist ein ambitioniertes und umfassendes Projekt. Für den Aufbau ist der neugegründete Trägerverein dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen:
Bankverbindung
Raiffeisenbank Region Stans, 6370 Stans PC 60-7178-4
Kontoinhaber: Verein Parasolka
Konto: 67269.80
IBAN: CH80 8122 3000 0067 2698 0
NeSTU ist im Kanton Luzern als gemeinnütziger Verein anerkannt und Spenden können Sinne von § 70 Absatz 1 Buchstabe h/StG und Art. 56 Buchstabe g/DBG, gültig ab Januar 2006, von der Steuer abgezogen werden. Informationen dazu bei unserer Geschäftsstelle. E-mail
Neue Projektdokumentation (Printversion, März 2008) zum Herunterladen >>>(pdf 500kb)
Prospekt (März 2008) >>>(pdf 750b)
Kinderheimfest "Vilshanska Spivanka" am Sonntag, 9. September 2007 Fotos >>>
Mai 2007:
In der Umgebung des zukünftigen Heims entwickelt sich eine erfreuliche Solidarität für die Jugendlichen. Im April fand eine Benefizkonzert zugunsten von PARASOLKA statt, das sehr gut besucht war. Dieses Konzert und spontane Sammlungen in Schulen des Bezirks Tyachiv haben schon mehrere tausend Dollar eingebracht. Fotos >>>
CAMZ (Comité d’Aide Médical Zakarpattia)
Die nichtstaatliche Organisation CAMZ ist aus der französischen Hilfsorganisation Comité d’Aide Médical (CAM) herausgewachsen und arbeitet seit fünf Jahren selbständig im sozialen und medizinischen Bereich in Transkarpatien. CAMZ arbeitet projektweise mit verschiedenen Organisationen und Geldgebern zusammen mit dem Ziel einer längerfristigen vernetzten Zusammenarbeit. Die Organisation umfasst vier Mitarbeitende und zieht nach Bedarf die entsprechenden Spezialisten bei. Direktorin Nataliya Kabatsiy ist ausgebildete Philologin und Sozialarbeiterin. Sie arbeitet seit 1996 regelmässig für das Waisenhaus Vilshany.
Hintergründe des Projektes Parasolka
Situation der Menschen mit einer Behinderung in der Ukraine
Während der Sowjetzeit waren behinderte Menschen im Gebiet der Ukraine ein Tabu. Eine Behinderung galt als Strafe und war eine Schande. Diese Auffassung ist zum Teil insbesondere in ländlichen Gegenden wie Transkarpatien bis heute in den Menschen verwurzelt. Viele Mütter gaben deshalb ihren behinderten Säugling nach der Geburt in die Obhut des Staates. Andere sahen in ihrer finanziellen Notlage keine Möglichkeit, selber für ihr behindertes Kind zu sorgen und gaben es deshalb weg. Die körperlich und/oder geistig behinderten «Waisenkinder» wurden in abgelegenen Häusern, zum Beispiel im Waisenhaus von Vilshany, von der übrigen Bevölkerung isoliert und versteckt.
Das Waisenhaus in Vilshany
liegt im Rayon Chust im engen und abgelegenen Tal der Tereblja und ist dem Ministerium für Soziales unterstellt. Während der Sowjetzeit ging es in diesem für Aussenstehende nicht zugänglichen Haus lediglich ums nackte Überleben der Kinder. Mit knappem Budget wurden sie mit dem Lebensnotwendigsten versorgt. Die Nahrung war mangelhaft; hygienische Einrichtungen und medizinische Versorgung existierten kaum. Es gab kein warmes Wasser, keine Badezimmer. Im Winter stieg die Temperatur in den Zimmern selten über zehn Grad. Unter diesen miesen Bedingungen erreichten nur wenige der Kinder das Erwachsenenalter.
Eine Veränderung setzte durch den Einfluss des Westens mit der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahre 1991 ein. Seit 1996 haben sich insbesondere das Comité d’Aide Médicale (CAM) und seine ukrainische Partnerin, das Comité d’Aide Médicale Zakarpattia (CAMZ), mit grossem Engagement für Verbesserungen eingesetzt. Sanitäre Einrichtungen, Ernährung und medizinische Versorgung wurden verbessert. Einige der Kinder konnten z.B. dank gezielten Massagen und einem psychomotrischen Programm zum Gehen gebracht werden.
Dank der Unterstützung durch das französische Comité Catholique contre la Faim et pour le Développement (CCFD) wird seit 2001 eine Gruppe von rund 30 bildungsfähigen Kindern in einem speziellen Programm praktisch gefördert. Dazu steht seit 2002 ein neu gebautes Gebäude mit einem Versammlungssaal, Werkräumen, einer Küche und einem Esszimmer zur Verfügung.

Ist-Zustand im Waisenhaus Vilshany
In dem «Internat» genannten Haus leben heute rund 200 Kinder und Jugendliche zwischen vier und ca. 20 Jahren mit unterschiedlichen körperlichen und geistigen Behinderungen. Trotz der beschriebenen Veränderungen sind Betreuung und Förderung äusserst mangelhaft. Die meisten Kinder und Jugendlichen verbringen den Tag ohne Beschäftigung und Spielzeug in einem leeren Raum. Sie erhalten nur wenig Liebe und Zuwendung. Es fehlt an Geld und ausgebildetem Personal, um die eingeleiteten Verbesserungen auch wirklich und langfristig umsetzen zu können.
Dringender Handlungsbedarf besteht im Hinblick auf die Zukunft der Jugendlichen. Traditionsgemäss werden diese mit der Erreichung des Erwachsenenalters in die Psychiatrie verlegt. Dort sind die Lebensbedingungen noch schlimmer, eine geringe Lebenserwartung ist die Folge.
Entwicklung des Projektes Parasolka
Eine Zukunft für die Jugendlichen aus Vilshany
Bereits seit 2002 verfolgt CAMZ die Idee eines eigenen Wohnheims für Jugendliche und junge Erwachsene aus Vilshany. Den Anstoss zur Umsetzung gab Annemarie Steiner nach ihrem Praktikum in Vilshany im Frühjahr 2005. Berührt durch die elende Situation der Waisen in Vilshany, wurde sie aktiv und suchte nach Möglichkeiten einer Verbesserung ihrer Lebensumstände. Sie erfuhr von den Plänen von CAMZ und trug das Anliegen in den NeSTU-Vorstand. Eine ehrenamtlich tätige Projektegruppe entwickelte in der Folge ab Frühjahr 2006 gemeinsam mit der Partnerorganisation CAMZ das Pionierprojekt Parasolka.
Grosses Haus mit Umschwung in Tyachiv
In mehreren ganztägigen Sitzungen wurden das künftige Betriebskonzept, der Bedarf an Wohnraum und die Finanzierungsmöglichkeiten diskutiert. Kulturelle und sprachliche Unterschiede sowie das Fehlen von Fachpersonen und ähnlichen Einrichtungen in der Ukraine erforderten bei der Zusammenarbeit viel Zeit, Geduld und Ausdauer. Da die Zeit drängte – aus Platzmangel wurden erste Jugendliche aus Vilshany bereits verlegt – wurde die Suche nach einem passenden Grundstück mit oder ohne Gebäude vorangetrieben. Durch die Mithilfe von Ingenieur Oleksander Pryhara, Mitarbeiter von CAMZ, entschied sich die Projektgruppe nach mehreren Besichtigungen für den Kauf des grossen, renovationsbedürftigen Hauses mit grossem Umschwung in der Stadt Tyachiv nahe an der rumänischen Grenze. Mit Juristen und anderen Fachpersonen wurden der künftige Besitz des Hauses geklärt und die Zusammenarbeit mit der einheimischen Hilfsorganisation CAMZ vertraglich geregelt. Der Staat sicherte in einer schriftlichen Erklärung die Übernahme des Modellheims nach Fertigstellung zu.
Am 1. Juni 2006 konnte nach einer Anzahlung von USD 50'000 der Vorkaufvertrag unterschrieben werden. Annemarie Steiner und Monika Fischer befassten sich im Sommer und Herbst eingehend mit der Mittelbeschaffung. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde durch die Auftritte des Vilshany-Chores im Rahmen ihrer Konzert- und Ferienreise in der Schweiz (siehe Veranstaltungen) begünstigt. Kollekten der Aufführungen, zahlreiche zusätzliche Spenden sowie einige Darlehen von Freunden von NeSTU ermöglichten am 31. Oktober 2006 die Unterzeichnung des definitiven Kaufvertrages in Verbindung mit der Übergabe des Restes der auf diesen Termin fälligen Kaufsumme (160‘000 USD).
Die Erstellung eine Vorprojektes inkl. Budget wurde in Auftrag gegeben.
Parasolka – ein Modellheim für Transkarpatien
In enger Zusammenarbeit mit der einheimischen sozialen Hilfsorganisation CAMZ wird das Konzept in Verbindung mit den Renovationsarbeiten ständig weiter entwickelt. Wichtige Unterstützung leisten dabei verschiedene Fachpersonen wie z.B. die Heilpädagogin Henny Graf-de Ruiter, der Fachexperte und Architekt Pierre Ruppaner sowie der Finanzfachmann Hans-Ueli Vögeli.
Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Projektes stellt neben der Aus- und Weiterbildung der künftigen Mitarbeitenden im Wohnheim Parasolka die Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit in der Ukraine für einen andern Umgang mit behinderten Menschen dar. Wertvolle Einblicke bekamen Vilshany-Direktor Iwan Bihunets und einige seiner Mitarbeiterinnen im Sommer 2006 bei den Besuchen in verschiedenen Schweizer Institutionen für Menschen mit einer Behinderung. Die Gäste aus Transkarpatien waren beeindruckt zu sehen, wie Menschen mit einer Behinderung als gleichwertig akzeptiert und entsprechend individuell betreut und gefördert werden. Praktische Impulse sollen die Praktikantinnen aus Vilshany von der Behinderten-Wohngemeinschaft Brisenblick in Stans nach Transkarpatien zurückbringen. Weitere Möglichkeiten des Austauschs und der fachlichen Zusammenarbeit/Begleitung sind geplant.
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Die beiden Praktikantinnen Irina und Nadja mit Bewohnerin Agnes Durrer |
Die Gäste aus Transkarpatien beim Besuch des Heilpädagogischen Kinderheims Weidmatt in Wolhusen |
Die Erfahrungen in der Schweiz haben in Transkarpatien bereits einige Veränderungen eingeleitet. Direktor Bihunets lud im Sommer 2006 die Bevölkerung der umliegenden Dörfer zu einem öffentlichen Konzert ins Waisenhaus von Vilshany ein. Weitere Auftritte des Chores und eine von CAMZ organisierte Medieneinladung nach Vilshany verbunden mit der Vorstellung von Parasolka sollen die Idee der betreuten Wohngemeinschaft für leicht behinderte Menschen in Transkarpatien bekannt machen.
Alles in allem befindet sich Parasolka auf einem guten Weg. Doch wird die Realisierung dieses interkulturellen Pionierprojektes neben den finanziellen Mitteln noch einige Geduld und Anstrengungen von beiden Seiten erfordern.
Foto: Auftritt des Vilshany-Chores bei einem orthodoxen Gottesdienst in Transkarpatien